Wer einen Planeten neben seinem Stern fotografieren will, hat ein Kontrastproblem. Selbst wenn eine Blende das direkte Sternenlicht abschirmt, bleibt ein Muster aus Streulicht und Beugung zurück. Es kann das viel schwächere Signal eines Planeten verdecken. Forschende um Rodrigo Ferrer-Chavez haben ein Verfahren entwickelt, das dieses Lichtmuster in Daten des James-Webb-Weltraumteleskops genauer berechnet und abzieht. Die Studie erschien am 4. November 2026 in Nature.
Kurzfazit. Der Faktor 15 beschreibt die Verbesserung einer Nachweisgrenze bei einem bestimmten Winkelabstand in einem Datensatz. Die neue Aufnahme von 51 Eridani b stammt aus anderen Daten. Der Gasriese war bereits bekannt und wurde nun erstmals in einem Infrarotband um 4,3 Mikrometer nachgewiesen.
Wie der Faktor 15 zustande kommt
Die Nachweisgrenze beschreibt, wie hell ein Planet im Verhältnis zu seinem Stern mindestens sein muss, damit sich sein Signal vom Rauschen unterscheiden lässt. Je niedriger diese Schwelle, desto schwächere Signale lassen sich erkennen. Die Forschenden verglichen ihre neue Auswertung FLIP mit dem etablierten Verfahren KLIP, das das Störlichtmuster aus Vergleichsaufnahmen schätzt. Abbildung 3 der Studie zeigt die getrennten Nachweisgrenzen beider Verfahren. Nature-Studie, Abbildung 3.
Der höchste ausgewiesene Gewinn stammt aus Webb-Aufnahmen des Sterns TYC 5899 im Filter F444W. Bei einem scheinbaren Abstand von einer halben Bogensekunde zum Stern lag die Nachweisgrenze mit FLIP bei etwa einem Fünfzehntel des Werts mit KLIP. Bei einer Bogensekunde betrug der Vorteil noch ungefähr Faktor fünf. Der Winkelabstand beschreibt die Lage am Himmel. Beide Auswertungen verwenden vorhandene Aufnahmen, daher beschreibt der Faktor den Gewinn in der Bildverarbeitung. Vergleich in der Originalstudie.
Für TYC 5899 ist bislang kein Begleiter bekannt. Das Team setzte dort künstliche Planetensignale mit bekannter Helligkeit in reale Aufnahmen ein und prüfte, wie gut beide Verfahren sie wiederfinden. So ließ sich auch abschätzen, wie viel vom eingefügten Signal beim Abziehen des Sternenlichts verloren geht. Die Testpunkte dieser Untersuchung sind als künstlich gekennzeichnet. Methoden und ergänzende Abbildungen der Originalstudie.
Was die Aufnahme von 51 Eridani b zeigt
Die Kurzmeldung des Verlags spricht vom ersten Bild von 51 Eridani b. Gemeint ist der erstmalige Nachweis in diesem Infrarotband. Das Entdeckungsbild des jungen Gasriesen entstand bereits 2014 mit dem Gemini Planet Imager. Macintosh und sein Team veröffentlichten die Entdeckung 2015. Verlagsmeldung und NASA-Archiv zum Entdeckungsbild.
Balmer und sein Team hatten den Planeten 2025 in Daten von Webbs Nahinfrarotkamera NIRCam bei rund 4,1 Mikrometern gefunden. Im Filter F430M um 4,3 Mikrometer blieb der Nachweis damals aus. Ferrer-Chavez und sein Team werteten dieselben Beobachtungen mit FLIP aus und fanden im F430M-Bild ein Signal an der erwarteten Position. Das Signal-Rausch-Verhältnis lag bei 6,3. Die Nachweisgrenze verbesserte sich an der Position des Planeten ungefähr um Faktor vier. Veröffentlichung der ursprünglichen Beobachtung und Nature-Studie, Abbildung 2.
Was FLIP vom Teleskopbild abzieht
NIRCam kann mit einem Koronografen einen großen Teil des direkten Lichts eines Sterns abschirmen. Das verbleibende Licht verteilt sich durch die Optik zu einem Muster auf dem Detektor. Schon kleine Änderungen der Ausrichtung oder der Lichtwege können dieses Muster verschieben. Eine Aufnahme eines Vergleichssterns liefert eine Ausgangsbasis. Wie gut sie passt, hängt davon ab, wie ähnlich die optischen Bedingungen in beiden Aufnahmen waren. NASA zur Kamera und zum Koronografen.
FLIP erzeugt mit einem physikalischen Modell zunächst ein berechnetes Sternenlichtmuster und passt es an Aufnahmen eines Referenzsterns an. In einem zweiten Schritt darf sich nur ein Teil der Modellparameter ändern, damit das Muster zur eigentlichen Beobachtung passt. Dazu gehören kleine Fehler der Ausrichtung und Veränderungen des optischen Wegs. Das Team zieht das angepasste Muster anschließend von der Aufnahme ab. Rechnerische Testsignale helfen dabei, einen Punkt zu finden, an dem die Optimierung möglichst wenig vom Planetensignal mit entfernt. Ablauf in Abbildung 1 der Studie.
Eine Vorarbeit von Feng und Kollegen zeigte 2025, dass sich mit einem solchen Modell in simulierten Webb-Aufnahmen schwächere Signale erkennen lassen. Die neue Arbeit wendet den Ansatz auf reale Teleskopdaten an. In diesen Daten können flexible Modelle versehentlich Teile des Planetensignals mit abziehen. Deshalb begrenzt das Team die Anpassung und kontrolliert den Signalverlust. Vorarbeit von Feng und Kollegen.
Was sich über die Atmosphäre ableiten lässt
Im Band um 4,3 Mikrometer absorbiert Kohlendioxid Infrarotlicht. Der Filter F430M sammelt Licht über ein ganzes Wellenlängenband. Seine in der Instrumentdokumentation angegebene Bezugswellenlänge beträgt 4,281 Mikrometer. Die Helligkeit in diesem Band kann zusammen mit anderen Messungen helfen, Modelle der Atmosphäre zu prüfen. Das Team will die Helligkeit aus dem neuen Nachweis genauer bestimmen und sie für eine erneute Untersuchung der Atmosphäre verwenden. Filterdaten des Space Telescope Science Institute und Ausblick in der Originalstudie.
Wo der Vorteil kleiner wird
Der Nutzen hängt vom Stern, dem Filter und dem Abstand ab. Weiter vom Stern entfernt kann Hintergrundrauschen den Ausschlag geben. In einigen Bereichen der Aufnahmen von TYC 5899 schnitt die bisherige Auswertung besser ab. Bei keiner der untersuchten Beobachtungen erreichte FLIP laut Studie die Grenze, an der allein statistische Schwankungen in der Zahl der registrierten Lichtteilchen die Messung begrenzen. Nachweisgrenzen und Unsicherheiten im Vergleich.
Für künftige Teleskope ist das Verfahren vor allem interessant, weil kleine Veränderungen der Optik einen Teil des schwachen Signals verdecken können. Das geplante Habitable Worlds Observatory der NASA soll potenziell bewohnbare Welten direkt abbilden. Ob sich die hier gemessenen Verbesserungen auf den erheblich größeren Helligkeitsunterschied zwischen einem erdähnlichen Planeten und einem sonnenähnlichen Stern übertragen lassen, bleibt eine Forschungsfrage. NASA zum Missionsziel.
