Redaktionelle Arbeitsweise

Methodik

Evidico prüft öffentliche Aussagen aus Videos, Interviews, Talkshows, Debatten und anderen öffentlich zugänglichen Quellen. Ziel ist nicht, Personen oder politische Lager anzugreifen, sondern konkrete Aussagen anhand von Originalmaterial, Quellen und Kontext nachvollziehbar einzuordnen.

Grundsatz

Evidico arbeitet neutral, quellenbasiert und unabhängig von parteipolitischer Richtung. Die Plattform ist keine Pranger-Plattform. Faktenchecks erfolgen nach bestem Wissen und sorgfältiger Quellenprüfung, können aber keine Garantie auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit geben.

Was wird geprüft?

Evidico prüft vor allem konkrete, überprüfbare Tatsachenbehauptungen. Entscheidend ist, ob eine Aussage anhand zugänglicher Quellen, Originalmaterialien oder nachvollziehbarer Daten geprüft werden kann.

Zahlen und Daten

Zahlenangaben, Statistiken, Haushaltsdaten, Umfragewerte, Studienergebnisse oder Aussagen über offizielle Datenbestände.

Dokumente und Beschlüsse

Aussagen über Gesetze, Behörden, Gerichte, Parlamente, Regierungsbeschlüsse, internationale Organisationen oder veröffentlichte Dokumente.

Ereignisse und Entwicklungen

Behauptungen über historische oder aktuelle Entwicklungen, politische Entscheidungen, öffentliche Aussagen oder dokumentierte Abläufe.

Quellenbehauptungen

Aussagen mit erkennbarem Quellenbezug, zum Beispiel „laut Studie“, „die Statistik zeigt“ oder „die Regierung hat beschlossen“.

Was wird nicht geprüft?

Nicht jede öffentliche Aussage ist ein Faktencheck-Claim. Persönliche Meinungen, politische Forderungen, Werturteile, strategische Einschätzungen, Zukunftsprognosen, rhetorische Zuspitzungen, Satire oder erkennbare Ironie werden nicht wie einfache Tatsachenbehauptungen bewertet.

Solche Aussagen können trotzdem eingeordnet werden, wenn sie auf überprüfbaren Annahmen beruhen. Dann trennt Evidico zwischen dem überprüfbaren Kern und der politischen oder persönlichen Bewertung.

Faktencheck, Einordnung und Meinung trennen

Faktencheck

Was ist anhand von Quellen, Originaldokumenten oder Daten überprüfbar?

Einordnung

Welcher Kontext ist nötig, damit die Aussage nicht verkürzt oder missverständlich wirkt?

Meinung

Was ist persönliche, politische oder normative Bewertung und deshalb nicht wie eine Tatsachenbehauptung beweisbar?

Evidico soll diese Ebenen klar trennen. Eine Aussage kann einen wahren Kern enthalten und dennoch wichtigen Kontext auslassen. Ebenso kann eine politische Bewertung auf überprüfbaren Annahmen beruhen, ohne selbst vollständig als wahr oder falsch bewertbar zu sein.

Rolle des Originalvideos

Das eingebettete Originalvideo bleibt die maßgebliche Quelle für den Wortlaut. Evidico nutzt Videos nicht als bloßen Aufhänger, sondern als überprüfbare Primärquelle.

  • Zeitstempel helfen, Aussagen direkt nachzuvollziehen.
  • Originalstellen können geöffnet werden, wenn ein Zeitlink vorhanden ist.
  • Zentrale Aussagen, Zahlen, Namen und direkte Zitate müssen am Originalvideo geprüft werden.
  • Eine interne Arbeitsmitschrift ist nur eine Arbeitsgrundlage, nicht die maßgebliche öffentliche Quelle.

Interne Arbeitsmitschrift und Transkript

Evidico kann mit automatisch erzeugten Untertiteln, internen Arbeitsmitschriften und zeitmarkierten Analyseabschnitten arbeiten. Diese Materialien helfen, mögliche Claims zu finden und die Recherche zu strukturieren.

Wichtig

Automatische Mitschriften können Fehler enthalten, etwa bei Namen, Zahlen, Fachbegriffen, Satzgrenzen, Sprecherwechseln oder Zeitstempeln. Für veröffentlichte Claims bleiben deshalb Originalvideo und Quellen maßgeblich.

Wie werden Claims ausgewählt?

Aus dem Material werden mögliche prüfbare Aussagen identifiziert. Nicht jede erkannte Aussage wird veröffentlicht. Ausgewählt werden vor allem Claims, die:

  • konkret genug formuliert sind,
  • gesellschaftlich oder politisch relevant sind,
  • anhand belastbarer Quellen überprüfbar sind,
  • nicht nur Meinung oder Rhetorik sind,
  • für Leser nachvollziehbar eingeordnet werden können.

Wie werden Quellen ausgewählt?

Quellen werden nach Belastbarkeit, Nähe zur Primärinformation und erkennbarem Eigeninteresse gewichtet. Eine Quelle ist nicht automatisch unbrauchbar, nur weil sie ein Interesse hat. Dieses Interesse muss aber transparent eingeordnet werden.

Hohe Priorität

Offizielle Dokumente, Behörden, Parlamente, Gerichte, Statistische Ämter, wissenschaftliche Studien, internationale Organisationen und Originalquellen.

Mittlere Priorität

Nachrichtenagenturen, etablierte Medien, Fachanalysen, Forschungsinstitute und nachvollziehbare journalistische Dokumentationen.

Vorsichtig verwenden

Interessengruppen, Lobbyverbände, Parteiquellen, Unternehmensangaben, Social-Media-Posts und nicht überprüfbare Sekundärbehauptungen.

Bewertungsstufen

Bewertungen werden immer textlich erklärt und sollen nicht nur über Farbe verstanden werden. Die Stufen beschreiben die Quellenlage zu einer konkreten Aussage, nicht den Charakter einer Person.

Richtig
Die Aussage stimmt nach aktueller Quellenlage im Wesentlichen mit belastbaren Daten oder Originalquellen überein.
Überwiegend richtig
Die Kernaussage ist zutreffend, einzelne Details, Einschränkungen oder Formulierungen brauchen aber Einordnung.
Teilweise richtig
Die Aussage enthält zutreffende Elemente, lässt aber wichtige Teile aus oder vermischt korrekte und ungenaue Aspekte.
Kontext fehlt
Die Aussage kann einen wahren Kern haben, aber wichtige Einschränkungen, Gegeninformationen oder Rahmenbedingungen fehlen.
Irreführend
Die Aussage nutzt Daten, Begriffe oder Zusammenhänge so, dass ein verzerrter Eindruck entstehen kann.
Unbelegt
Für die Behauptung konnten keine ausreichend belastbaren Belege gefunden werden.
Falsch
Die Aussage widerspricht belastbaren Quellen oder dem überprüfbaren Originalmaterial.
Nicht überprüfbar
Die Aussage ist als Prognose, Meinung, hypothetisches Szenario oder unklare Behauptung nicht wie eine Gegenwartsbehauptung beweisbar oder widerlegbar.

Umgang mit Prognosen und Szenarien

Politische, wirtschaftliche oder militärische Prognosen werden nicht wie Tatsachen behandelt. Aussagen wie „Russland könnte 2029 ...“, „die NATO würde wahrscheinlich ...“ oder „diese Entwicklung könnte ...“ beschreiben mögliche Szenarien, keine bereits eingetretenen Fakten.

Solche Aussagen können eingeordnet werden: Welche Annahmen liegen zugrunde? Welche Quellen stützen das Szenario? Welche Unsicherheiten bestehen? Eine endgültige Bewertung als wahr oder falsch ist dabei oft nicht möglich.

Transparenz und KI-Unterstützung

Evidico kann bei Strukturierung, Transkriptanalyse, Claim-Auswahl, Formulierung und Recherchevorbereitung KI-Unterstützung verwenden. Diese Unterstützung ersetzt keine redaktionelle Prüfung.

Die finale Auswahl, Bewertung und Veröffentlichung erfolgt redaktionell. Fehler können trotz Sorgfalt nicht ausgeschlossen werden. Maßgeblich bleiben das Originalvideo und die verlinkten Quellen.

Korrekturen und Fehlerhinweise

Evidico ist offen für Korrekturen. Wenn Leser einen Fehler, fehlenden Kontext oder eine problematische Quelle entdecken, können sie einen Hinweis an die Redaktion senden. Details stehen auf der Seite Korrekturhinweis melden.

Wenn nach Veröffentlichung relevante Fehler oder neue belastbare Informationen bekannt werden, kann ein Artikel aktualisiert, ergänzt oder mit einem Korrekturhinweis versehen werden.

Grenzen und Disclaimer

Faktenchecks erfolgen nach bestem Wissen und sorgfältiger Quellenprüfung. Eine vollständige Fehlerfreiheit kann nicht garantiert werden. Komplexe politische Themen können unterschiedliche Interpretationen zulassen, Quellenlagen können sich ändern und neue Dokumente können frühere Einschätzungen ergänzen.

Evidico versteht Faktenchecks deshalb als transparente, nachvollziehbare Einordnung der verfügbaren Quellenlage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.