Fazit: Im Gespräch mit Anne Will und Melanie Amann nennt Markus Söder zahlreiche überprüfbare Zahlen zu Wahlen, dem bayerischen Haushalt, Hightech-Investitionen, Pflege, Mütterrente, Bürgergeld und Migration. Vieles stimmt in der Größenordnung, mehrere Aussagen sind jedoch verkürzt oder vermischen unterschiedliche Bezugsgrößen.
Was wurde geprüft?
Geprüft wurden die Bundestagswahlergebnisse 2025, die bayerische Kommunalwahl 2026, kommunale Spitzenämter der CSU, Investitionen und Neuverschuldung im bayerischen Haushalt, die Hightech Agenda, Hochschulrankings, Sozialhilfe in Pflegeheimen, der Barbetrag für Heimbewohner, das bayerische Landespflegegeld, Forderungen von Wolfgang Steiger und Manfred Weber, die Mütterrente III, Bürgergeld- und Migrationsausgaben, Söders frühere Forderung nach einer Amtszeitbegrenzung, das CSU-Ergebnis 2018 und das bayerische Windkraftkonzept von 2011. Politische Wertungen über Führungsstil, AfD-Strategie oder innerparteiliche Macht wurden nicht als wahr oder falsch bewertet.
Bundestagswahl und Kommunalwahl
Die von Anne Will genannten Bundestagswahlergebnisse stimmen: CDU und CSU kamen 2025 zusammen auf 28,6 Prozent, die SPD auf 16,4 Prozent und die AfD auf 20,8 Prozent. Die AfD legte gegenüber 2021 um 10,4 Prozentpunkte zu.
Bei der bayerischen Kommunalwahl ist Söders Kurzfassung nur teilweise richtig. Die CSU erreichte bei den Gemeinderats- und Stadtratswahlen 32,5 Prozent, die AfD 12,2 Prozent. Söders gerundete Angaben von 32 bis 33 beziehungsweise 13 Prozent passen. Die CSU verlor gegenüber 2020 allerdings 1,9 Prozentpunkte und erzielte ihr schwächstes kommunales Landesergebnis seit Jahrzehnten; die AfD stieg von 4,7 auf 12,2 Prozent. Auch bei Landrats- und Oberbürgermeisterposten verlor die CSU deutlich: Eine Auswertung der Süddeutschen Zeitung nennt einen Rückgang von 66 auf 50 der 96 Spitzenämter.
Bayerischer Haushalt, Hightech und Hochschulen
Die Aussage zur Investitionsquote des bayerischen Doppelhaushalts stimmt: Für 2026 und 2027 nennt die Staatsregierung eine Investitionsquote von rund 17,1 Prozent und keine neue Kreditaufnahme. Das bedeutet jedoch nicht, dass Bayern schuldenfrei wäre, sondern dass der Doppelhaushalt ohne zusätzliche Nettokreditaufnahme geplant ist.
Auch die Hightech-Angabe hat einen belastbaren Kern. Die Staatsregierung bezifferte die Hightech Agenda zunächst auf mehr als sechs Milliarden Euro und später einschließlich weiterer Programme auf rund sieben Milliarden Euro. TUM und LMU lagen im Times-Higher-Education-Ranking 2026 tatsächlich an der Spitze der Hochschulen in der Europäischen Union. Solche Rangfolgen hängen jedoch vom verwendeten Ranking ab; die Aussage zur besten Start-up-Szene ist ebenfalls methodenabhängig.
Pflege: Sozialhilfequote, Barbetrag und Landespflegegeld
Die Zahl von 37 Prozent Pflegeheimbewohnern mit Sozialhilfebezug wird durch eine DAK-Studie für 2026 gestützt. Nicht gestützt wird dort die Behauptung, bis 2038 werde mehr als die Hälfte betroffen sein: Die Studie projiziert ohne Reformen rund 43 Prozent bis 2035. Andere Langfristmodelle können zu anderen Ergebnissen kommen, doch für die konkrete 50-Prozent-Prognose braucht es einen eigenen Beleg.
Der genannte Barbetrag von rund 152 Euro monatlich stimmt für erwachsene Sozialhilfeempfänger in stationären Einrichtungen im Jahr 2026. Er gilt nicht automatisch für jeden Pflegeheimbewohner. Das bayerische Landespflegegeld beträgt 500 Euro pro Pflegejahr für Menschen ab Pflegegrad 2 mit Hauptwohnsitz in Bayern; es handelt sich um eine jährliche, nicht monatliche Zahlung.
Mütterrente und innerparteiliche Kritik
Anne Will gab die Forderung des Wirtschaftsrat-Generalsekretärs Wolfgang Steiger korrekt wieder: Er verlangte die Abschaffung von Grundrente, Mütterrente und Rente mit 63 sowie eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Der Wirtschaftsrat ist allerdings ein eigenständiger Wirtschaftsverband und kein offizielles Parteigremium der CDU.
Auch das Zitat aus Manfred Webers Pfingstbrief ist belegt. Weber schrieb, wegen der Wirtschaftslage könnten keine zusätzlichen Wohltaten wie Mütterrente oder eine niedrigere Mehrwertsteuer angeboten werden. Das ist nicht identisch mit der Forderung, eine bereits bestehende Mütterrente vollständig abzuschaffen.
Söders Beschreibung der Mütterrente III ist im Kern richtig: Für vor 1992 geborene Kinder sollen künftig ebenfalls drei Jahre Kindererziehungszeit anerkannt werden. Der zusätzliche halbe Entgeltpunkt entspricht nach dem Rentenwert ab Juli 2026 rund 21,26 Euro brutto im Monat je Kind. Bei drei Kindern sind das etwa 765 Euro brutto im Jahr und damit tatsächlich mehr als 700 Euro.
Bürgergeld, Migration und weitere Rückblicke
Die Aussage von 50 Milliarden Euro für Bürgergeld stimmt nur bei breiter Definition. Der Bundeshaushalt 2026 veranschlagt rund 51 Milliarden Euro für das gesamte System der Grundsicherung für Arbeitsuchende; die eigentliche Geldleistung Bürgergeld macht davon rund 28 Milliarden Euro aus. Die migrationsbezogenen Bundesausgaben lagen 2025 bei rund 24,8 Milliarden Euro; Werte nahe 30 Milliarden gab es in früheren Jahren oder bei anderer Abgrenzung.
Söder setzte sich 2018 tatsächlich für eine Begrenzung der Amtszeit des bayerischen Ministerpräsidenten auf zehn Jahre ein. Die dafür nötige Verfassungsänderung scheiterte jedoch im Landtag. Ungenau war seine spätere Erinnerung an 37 Prozent bei der Bundestagswahl 2018: 2018 fand in Bayern eine Landtagswahl statt, bei der die CSU 37,2 Prozent erreichte. Bei der Bundestagswahl 2017 kam die CSU in Bayern auf 38,8 Prozent.
Beim Energiekonzept von 2011 ist die Größenordnung nachvollziehbar, aber die Formulierung verkürzt. Offiziell geplant waren 1.000 bis 1.500 zusätzliche Windenergieanlagen bis 2021. Zusammen mit bereits bestehenden und projektierten Anlagen ergab sich eine Gesamtgröße um ungefähr 2.000 Anlagen.
