Die Pebble Time 2 ist tatsächlich eine ungewöhnlich offene Smartwatch mit sparsamer Anzeige und eigenen Apps. Einige Zuspitzungen des c’t-Videos sind aber zu weitgehend oder zeitlich überholt. Das betrifft vollständig freie Software, das Verhältnis zum Communityprojekt Rebble, Antworten unter iOS und die Wasserfestigkeit. Der belegte Laufzeit-Median von etwa 21 Tagen ist außerdem etwas anderes als eine garantierte Monatslaufzeit.
Dieser Faktencheck behandelt das vollständige c’t-3003-Video vom 4. September 2026. Der darin enthaltene FRITZ-Werbeblock gehört nicht zur technischen Bewertung der Uhr. Eindrücke wie Ablesbarkeit, Bediengefühl oder Freude am Basteln bleiben Erfahrungen des Testers; hier wurden weder ein zweites Gerät vermessen noch dessen tägliche Nutzung reproduziert. Die folgenden Abgleiche beziehen sich auf öffentlich zugängliche Hersteller-, Entwickler- und Archivquellen, Stand 6. September 2026.
Was Time 2 und Round 2 tatsächlich unterscheidet
Die aktuelle Produktübersicht bestätigt die genannten Grundpreise von 225 US-Dollar für Time 2 und 199 US-Dollar für Round 2. Die Time 2 wird als vorrätig geführt, für neue Round-2-Bestellungen nennt die Seite September. Ein Versandzeitraum ist keine Garantie für das Eintreffen an einem bestimmten Tag. Die runde Variante hat ein kleineres 1,3-Zoll-Display, keinen Herzfrequenzsensor und eine beworbene Laufzeit von zehn bis vierzehn Tagen. Sie ist folglich nicht bloß eine andere Gehäuseform.
Den persönlichen deutschen Endpreis des Testers kann man daraus nicht allgemein übernehmen. Versand, Abgaben und Umrechnung sind zusätzlich zu berücksichtigen. Der Hersteller beschreibt eine Lieferung mit vorab bezahlten Einfuhrabgaben. Die im Video genannten 17 Euro unter dem Sammelbegriff Importzoll sind ohne Rechnung weder als allgemeiner Zollsatz noch als vollständige Steuerabrechnung überprüfbar. Maßgeblich bleibt der Gesamtbetrag des konkreten Bestellvorgangs.
E-Paper bedeutet hier nicht E-Ink
Die technischen Eckdaten stimmen: 1,5 Zoll, 200 mal 228 Bildpunkte und 64 Farben. Das Video unterscheidet zu Recht zwischen der Vermarktung als E-Paper und einer elektrophoretischen E-Ink-Anzeige. Memory-LCD-Technik speichert Bildinformationen innerhalb der Anzeige; sie ist nicht mit den bewegten Pigmentteilchen eines E-Readers gleichzusetzen. Die Sharp-Herstellerbroschüre und Sharps Hinweise zur Ansteuerung belegen das Prinzip.
Zu absolut ist allerdings die Erklärung, ein Pixel benötige nur bei einer Änderung Strom. Auch eine statische Memory-LCD-Anzeige hat einen kleinen Energiebedarf und benötigt elektrische Ansteuerung. Der technische Vorteil ist geringer Verbrauch, nicht ein unbegrenzt stromlos erhaltenes Bild. Die Broschüre enthält Werte für andere Displaymodelle; daraus wird hier bewusst keine exakte Leistungsaufnahme der Pebble errechnet.
Sonnenlicht hilft der Anzeige – ein allgemeiner Testsieg folgt daraus nicht
Ein reflektierendes Display kann Umgebungslicht zum Ablesen nutzen. Daher ist die geschilderte gute Sichtbarkeit im Freien nachvollziehbar. Dass der Tester seine Pebble in der Sonne besser ablesen konnte als seine Apple Watch Ultra, bleibt jedoch ein persönlicher Vergleich ohne dokumentierte standardisierte Messreihe. Blickwinkel, Schriftgestaltung und Umgebungslicht zählen ebenfalls. Die Pebble-Hilfe zur Anzeige und Beleuchtung bestätigt anpassbare Einstellungen; ob eine bestimmte Empfindlichkeitsstufe für alle passt, ist keine objektive Produkteigenschaft. Häufiger eingeschaltetes Licht verkürzt zudem die Laufzeit.
Die Vorgeschichte stimmt im Kern, die Apple-Jahreszahl nicht
Die erste Pebble wurde 2013 ausgeliefert. Das war vor der ersten Apple Watch, aber nicht nur ein Jahr vor deren Verkaufsstart: Apple kündigte die Verfügbarkeit für den 24. April 2015 an. 2014 gehört zur Präsentation, nicht zur ersten Auslieferung. Die Formulierung des Videos vermischt diese Meilensteine.
Die erfassten Daten der Kickstarter-Kampagne 2016 zeigen rund 12,78 Millionen Dollar für Pebble 2, Time 2 und Core. Fitbit bestätigt im Geschäftsbericht 2016 den Kauf bestimmter Pebble-Vermögenswerte im Dezember. Das stützt den historischen Kern des Berichts, ist aber kein Nachweis jeder individuellen Rückzahlung an Unterstützer. Die Erstattungsaussage im Video ist deshalb nicht als geprüfte Vollständigkeitsbilanz aller Bestellungen zu lesen. Die heutige Time 2 ist eine neue Umsetzung, keine 2016 produzierte Restcharge.
Wie offen ist die neue Pebble wirklich?
Google veröffentlichte im Januar 2025 große Teile von PebbleOS, ausdrücklich ohne einige proprietäre Komponenten. Nacharbeiten waren nötig, um wieder lauffähige Systeme daraus zu bauen. Ende November legte Core Devices auch den Quellcode seiner Smartphone-App offen. Betriebssystem, Begleit-App und Entwicklungswerkzeuge sind somit in wesentlichen Teilen zugänglich und veränderbar.
Die Ankündigung des Gründers zur vollständigen Offenlegung nennt zugleich Ausnahmen: optionale nicht freie Komponenten für den Herzfrequenzsensor, eine Diagnosebibliothek und externe Spracherkennungsdienste. Ohne sie soll die Kernsoftware kompilierbar und nutzbar sein; das bedeutet nicht, dass jede ausgelieferte Funktion ausschließlich freien Code verwendet. Auch offene Software ist nicht automatisch offene Hardware. Die Aussage über einen komplett freien Gesamtaufbau benötigt diese Grenze.
Rebbles Leistung bleibt wichtig – das Backend-Modell änderte sich
Die Community bewahrte die Nutzung älterer Uhren und des App-Archivs nach dem Ende des ursprünglichen Herstellers. Die Schilderung einer einheitlichen, bis heute unverändert von Core finanzierten Rebble-Infrastruktur greift jedoch zu kurz. Im Oktober 2025 beschrieb Rebble noch ein entsprechendes Kooperationsmodell. Im November dokumentierten Rebble selbst und Core dagegen Auseinandersetzungen, eine öffentliche Archivbereitstellung und einen eigenen Core-Appstore-Feed mit mehreren möglichen Bezugsquellen.
Damit ist ein bestimmtes Backend nicht aus der Marke auf dem Handgelenk abzulesen. Offen zugänglicher Code und Archive erleichtern eine Weiterführung durch andere. Eine Garantie für dauerhaft erreichbare Dienste, Ersatzteile oder bezahlte Wartungsarbeit schaffen sie nicht. Die Zukunftssicherheit im Video ist eine begründete Hoffnung, keine zugesicherte Eigenschaft bei jedem künftigen Ausfall.
iOS: Plattformgrenzen und Pebble-Umsetzung auseinanderhalten
Der Tester beschreibt funktionierende Antworten unter Android und fehlende Antworten mit seiner iPhone-Konfiguration. Das ist als Beobachtung plausibel. Seine allgemeine Begründung, Apple ermögliche dies Drittanbieteruhren bislang überhaupt nicht, ist aber überholt. Apples Accessory-Notifications-Dokumentation sieht Benachrichtigungsweiterleitung und Rückantworten für unterstützte Zubehörintegration vor, mit regionalen Bedingungen für Nutzer in der EU.
Das macht die Funktion noch nicht automatisch auf jeder Pebble verfügbar. Core erläuterte im Juli nötige Änderungen an App, Bluetooth-Kommunikation und Wiederherstellungsfirmware; das Projekt-Issue zur iOS-Integration ist ebenfalls kein Auslieferungsnachweis. Die korrekte Aussage lautet daher: Eine Apple-Schnittstelle existiert, während die Nutzbarkeit auf der Uhr von Implementierung, Softwarestand und Region abhängt.
Vier Tasten, Kurzbefehle und Nachrichten: teils Funktionen, teils Nutzungserfahrung
Vier Tasten, Touchscreen und konfigurierbare Schnellzugriffe gehören zum Bedienkonzept. Ob eine geöffnete Musiksteuerung für den Tester praktischer ist als ein automatisch zurückkehrendes Zifferblatt, ist Geschmackssache. Ebenso lässt sich aus guten einzelnen Diktatergebnissen keine allgemeine Fehlerquote ableiten. Das im Test vermisste selbstständige Verfassen einer Nachricht ist vom Antworten auf vorhandene Benachrichtigungen zu trennen. Die Hersteller-Roadmap im Juli führte eine Android-App zum Senden von Text noch als Vorhaben. Ein Vorhaben darf nicht als bereits zuverlässig vorhandene Funktion verkauft werden.
30 Meter heißt nicht: jede Dusche und jedes Schwimmen sind unproblematisch
Der verschraubte Boden und das 22-Millimeter-Armband sind dokumentiert; der Boden erleichtert den Zugang zum Akku. Reparaturmöglichkeit ist aber kein Nachweis beliebiger Ersatzteilverfügbarkeit. Bei Wasser ist die Darstellung des Videos teils veraltet und teils zu sorglos: In der aktualisierten Herstellerinformation vom 24. März werden kurze Kontakte einschließlich Schwimmen genannt, zugleich aber heißes Wasser, hoher Wasserdruck, längeres Untertauchen und Tauchen ausgeschlossen.
Die pauschale Aussage, Schwimmen werde ausdrücklich nicht empfohlen, gibt diesen Stand nicht wieder. Umgekehrt ist Duschen nicht unter allen Bedingungen unproblematisch. Die Angabe 30 Meter beziehungsweise drei Atmosphären beschreibt eine Prüfklassifizierung; sie ist keine Freigabe für einen Tauchgang auf 30 Meter. Das betrifft eine praktische Nutzungsgrenze und sollte bei der Kaufentscheidung mitgelesen werden.
30 Tage Werbung, 21 Tage Median und zehn Tage im Test können zusammenpassen
Der Hersteller nennt im Juli einen Median von ungefähr 21 Tagen für die Time 2. Das Video gibt diese Kennzahl korrekt wieder. Ein Median bedeutet: Die Mitte der erfassten Verteilung liegt dort. Er sagt nicht, dass jede Uhr drei Wochen durchhält. Die vom Tester berichteten etwa zehn Tage sind ein einzelnes Nutzungsergebnis, keine Widerlegung des Medians. Beleuchtung, Animationen und Gesundheitserfassung beeinflussen den Verbrauch. Die beworbenen 30 Tage bleiben ein Schätzwert beziehungsweise günstiger Zielbereich, keine alltagssichere Mindestlaufzeit.
Sensoren machen aus der Pebble noch keine Sport- oder Telefonuhr
Die Time 2 bietet Herzfrequenz-, Schritt- und Schlafdaten, Kompass, Mikrofone und Lautsprecher. Die Gesundheitsdokumentation erklärt die vorhandenen Trackingfunktionen. Daraus folgt weder eine medizinische Diagnosefunktion noch die Ausstattung einer eigenständigen GPS-Sportuhr. Die im Video vermissten integrierten NFC-Zahlungen, Mobilfunk und GPS gehören nicht zum beschriebenen Funktionsumfang. Informationen vom gekoppelten Telefon ersetzen keine eigene Funkhardware.
Der Lautsprecher allein ermöglicht auch noch keine Telefonate. Eine im Video erwogene selbst programmierte Internet-Telefonie-App wäre ein separates Entwicklungsprojekt. Dass Touch- und Lautsprecher-Schnittstellen existieren, garantiert weder passende Audioübertragung noch eine fertige stabile Anruflösung. Auch die Anbindung an Apple Health oder Android-Gesundheitsdienste macht Messwerte nicht automatisch klinisch validiert.
Großes App-Archiv und Browser-Entwicklung: ja, aber keine Funktionsgarantie
Die Plattform wirbt mit mehr als 10.000 Apps und Ziffernblättern. Gemeint ist ein über Jahre gewachsenes Ökosystem, nicht ebenso viele frisch für Time 2 getestete Anwendungen. Alte Apps können von abgeschalteten Webdiensten oder speziellen Gerätevoraussetzungen abhängen. Ein Kompatibilitätsfilter hilft bei der Auswahl, ersetzt aber keinen Funktionstest der gewünschten App.
CloudPebble ist tatsächlich eine Entwicklungsumgebung im Browser, mit Editor, Ressourcen und Emulator sowie Übertragung auf eine verbundene Uhr. Eine lokale SDK-Installation ist für diesen Weg nicht nötig. Der Zugang zur Entwicklungsumgebung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer automatisch fehlerfreien App. KI-Werkzeuge können beim Programmieren helfen; die im Video entworfene Zukunft einer auf Zuruf selbst Apps bauenden Uhr ist eine Vision und kein nachgewiesenes Serienmerkmal.
Fazit
Die Empfehlung für Menschen, die gern an ihrer Uhr programmieren, ist als persönliche Bewertung nachvollziehbar. Die überprüfbaren Stärken sind offene Kernsoftware, ein zugängliches Entwicklungsökosystem und ein sparsames Display. Wer das Video als Kaufgrundlage nutzt, sollte besonders die Ausnahmen beim freien Softwareumfang, die veränderten Appstore-Strukturen sowie die aktuellen Wasser- und iOS-Bedingungen beachten. Die Uhr gewinnt durch präzise beschriebene Möglichkeiten, nicht durch absolute Versprechen.
