Innenpolitik & Wirtschaft

Faktencheck: AfD, Bürgergeld, Steuern und Tabaksteuer bei WELT-„Meinungsfreiheit“

Viele Zahlen haben eine reale Quelle, werden aber teils verkürzt, vermischt oder politisch bewertet.

Faktencheck: AfD, Bürgergeld, Steuern und Tabaksteuer bei WELT-„Meinungsfreiheit“

Kurzfazit

Der Faktencheck bestätigt mehrere konkrete Zahlen aus der Sendung: Die YouGov-Umfrage sah die AfD im Mai 2026 bei 28 Prozent und die Union bei 22 Prozent, in Sachsen-Anhalt lag die AfD in einer Infratest-dimap-Umfrage bei 41 Prozent, und Daten der Bundesagentur für Arbeit stützen Angaben zu ausländischen Bürgergeld-Empfängern. Einordnungsbedürftig sind dagegen Aussagen zur „Brandmauer“, zu Bürgergeld als Anteil am BIP, zu Steuer- und Abgabenquoten, zu Industrieumsätzen sowie zu Tabak- und Nikotinprodukten. Besonders problematisch sind kausale und gesundheitliche Schlussfolgerungen zu Schweden, Snus und E-Zigaretten sowie die Behauptung, in den Niederlanden seien 60 Prozent des Marktes für Drehtabak illegal.

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Hinweis zur Prüfung

Bewertet werden konkrete Aussagen nach aktueller Quellenlage. Automatische Transkripte können Fehler enthalten; wörtliche Zitate, Zahlen und zentrale Claims werden vor Veröffentlichung am Originalvideo geprüft.

Fazit: In der WELT-Sendung „Meinungsfreiheit“ werden mehrere überprüfbare Zahlen korrekt oder zumindest nachvollziehbar aufgegriffen. Dazu gehören die YouGov-Werte von 28 Prozent für die AfD und 22 Prozent für die Union, die AfD-Umfragewerte von über 40 Prozent in Sachsen-Anhalt sowie Daten zur Zahl ausländischer Bürgergeld-Empfänger. Gleichzeitig werden viele Zahlen politisch zugespitzt oder mit Schlussfolgerungen verbunden, die sich aus den Daten nicht direkt ergeben. Aussagen wie „die Brandmauer muss fallen“, „ins Sozialsystem wird nicht eingewandert“ oder „Schweden ist wegen Snus gesünder“ sind keine einfachen Fakten, sondern Bewertungen, Deutungen oder kausale Thesen.

Was wurde geprüft?

Grundlage waren das eingebettete Originalvideo, eine interne Arbeitsmitschrift und die anschließende Prüfung ausgewählter Aussagen anhand externer Quellen. Ausgewählt wurden Aussagen mit überprüfbarem Tatsachenkern. Reine Meinungen, politische Forderungen und Wertungen wurden nicht als wahr oder falsch bewertet, sondern nur dort eingeordnet, wo ihnen überprüfbare Zahlen zugrunde liegen.

AfD, Union und „Brandmauer“

Die Zahlen zur YouGov-Sonntagsfrage sind im Kern richtig: In der Erhebung vom 8. bis 11. Mai 2026 lag die AfD bei 28 Prozent, die Union bei 22 Prozent. Damit lag die AfD sechs Prozentpunkte vor CDU/CSU. Schwieriger ist die Aussage zur „Brandmauer“: YouGov meldete, dass 46 Prozent den Ausschluss einer Koalition mit der AfD richtig finden und 41 Prozent ihn falsch finden. Im Februar 2025 fanden noch 54 Prozent diesen Ausschluss richtig. Die Formulierung, es seien „nur noch 41 Prozent gegen eine Zusammenarbeit“, ist deshalb missverständlich und kann die Richtung der Werte vertauschen. Die Schlussfolgerung, die Union solle mit der AfD reden, ist eine politische Meinung und nicht als Faktenbehauptung prüfbar.

Bürgergeld, Migration und Sozialstaat

Die Angaben zu Bürgergeld-Empfängern ohne deutschen Pass sind weitgehend belegt: Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit lag der Anteil ausländischer Regelleistungsberechtigter Ende 2025 bei knapp 47 Prozent. Berichtet wurden rund 2,4 Millionen ausländische Empfänger sowie 21,7 Milliarden Euro an Leistungen an Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit bei Gesamtausgaben von 46,6 Milliarden Euro. Wichtig ist die Einordnung: Staatsangehörigkeit ist nicht gleich Migrationshintergrund, und diese Zahlen beweisen nicht automatisch „Sozialmissbrauch“ oder gezielte Einwanderung in den Sozialstaat.

Auch die Aussage, ein großer Teil des Beschäftigungszuwachses der vergangenen zehn Jahre gehe auf ausländische Beschäftigte zurück, ist in der Richtung richtig. Die Bundesagentur für Arbeit beziffert den Anteil aber mit 83 Prozent bei Männern und 56 Prozent bei Frauen. Die in der Sendung genannte Größenordnung von 75 beziehungsweise 50 Prozent ist daher nur ungefähr und nicht der aktuelle BA-Wortlaut.

Die Aussage, die Ausgaben für Bürgergeld und verwandte Sozialleistungen lägen seit Jahren bei rund 2,7 Prozent des BIP, ist nur mit genauer Definition richtig. Das IMK nennt 2,7 Prozent des BIP für Bürgergeld, Eingliederungshilfe und Sozialhilfe zusammen. Das ist nicht dasselbe wie reine Bürgergeld-Ausgaben.

Steuern, Abgaben und Industrie

Die Steuer- und Abgabenangaben hängen stark davon ab, ob man die persönliche Durchschnittsbelastung, die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer oder den vollständigen Steuerkeil inklusive Arbeitgeberbeiträgen meint. OECD-Daten für Deutschland zeigen für 2024 bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener eine persönliche Durchschnittsbelastung von 37,5 Prozent und einen Steuerkeil von 47,9 Prozent. Bei einem Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern liegen die Werte je nach Kennzahl bei 19,9 beziehungsweise 33,3 Prozent. Die im Gespräch genannten Werte von 34 und 25 Prozent sind deshalb ohne präzise Kennzahl missverständlich.

Auch die Aussage zur Industrie braucht Kontext. Es ist belegt, dass Deutschland seit 2019 viele Industriearbeitsplätze verloren hat. EY spricht für 2025 von rund 266.200 weniger Industriebeschäftigten seit 2019; Destatis meldete Ende 2024 rund 172.000 weniger Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe als zum Höchststand Ende 2018. Ein Umsatzplus von 20 Prozent seit 2019 kann nur als nominale Betrachtung plausibel sein und sagt ohne Preisbereinigung wenig über reale Industrieentwicklung oder Profitabilität aus.

Tabaksteuer, E-Zigaretten und Schweden

Die Aussage, dass rund 62 Prozent des Zigarettenpreises an den Staat gehen, ist plausibel und lässt sich aus Tabaksteuer und Mehrwertsteuer ungefähr herleiten. Die geplanten Steuererhöhungen im Jahr 2026 wurden jedoch zum Zeitpunkt der Berichterstattung als Entwurf beziehungsweise Vorhaben beschrieben; konkrete Packungspreise variierten je nach Bericht. Nicht jede Schachtel, die nicht in Deutschland versteuert wurde, ist automatisch illegal, weil auch legale Grenzkäufe und private Mitbringsel darunterfallen können.

Bei E-Zigaretten ist die Richtung richtig: Seriöse Gesundheitsbehörden und Krebsorganisationen bewerten reguläres Dampfen für Raucher als deutlich weniger schädlich als Rauchen, aber nicht als risikofrei. Die pauschale Zahl „90 Prozent weniger schädlich“ ist als exakte Gesundheitszahl zu stark vereinfacht. Noch problematischer ist die Schweden-These: Schweden hat eine sehr niedrige tägliche Raucherquote und Snus ist dort erlaubt. Ob Schweden aber wegen Snus die niedrigste Lungenkrebsrate und die niedrigste Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate Europas hat, ist aus neutralen Quellen so nicht belastbar belegt. Außerdem warnen schwedische und europäische Quellen vor steigender Gesamtverbreitung von Tabak- und Nikotinprodukten.

Bewertung

Der Beitrag enthält mehrere zutreffende Datenpunkte, aber viele davon brauchen eine enge Definition und Kontext. Besonders bei Bürgergeld, Migration, Steuerlast und Tabakpolitik werden aus korrekten oder teilweise korrekten Zahlen politische Schlüsse gezogen. Diese Schlüsse sind als Meinung zu kennzeichnen und dürfen nicht mit den überprüfbaren Fakten verwechselt werden.

Geprüfte Aussagen

Bewertungen werden immer mit Text angezeigt und quellenbasiert begründet.

Geprüfte AussageZeitstempel: 00:01:15–00:01:31

In einer YouGov-Umfrage vom Mai 2026 lag die AfD bei 28 Prozent und die Union bei 22 Prozent; die AfD hatte damit sechs Prozentpunkte Vorsprung.

Richtig
Originalauszug
... die AfD liegt jetzt schon sechs Prozentpunkte vor der Union ... die AfD hat 28 Prozent, die CDU nur 22 Prozent.
Einordnung

Die YouGov-Erhebung vom 8. bis 11. Mai 2026 weist die AfD mit 28 Prozent und die Union mit 22 Prozent aus. Der Abstand beträgt sechs Prozentpunkte. Einzuordnen ist, dass es sich um eine einzelne Umfrage und nicht um ein Wahlergebnis handelt.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeYouGov
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:01:31–00:01:40

Die Zustimmung zur sogenannten Brandmauer gegen die AfD sei von 54 Prozent im Februar auf nur noch 41 Prozent gefallen.

Teilweise richtig
Originalauszug
... im Februar haben das noch 54 Prozent der Deutschen gesagt. Jetzt sind es nur noch 41 Prozent, die gegen eine Zusammenarbeit sind.
Einordnung

Die YouGov-Daten zeigen: Im Februar 2025 hielten 54 Prozent den Ausschluss einer Koalition mit der AfD für richtig. Im Mai 2026 waren es 46 Prozent. 41 Prozent hielten den Ausschluss im Mai 2026 für falsch. Die Aussage vermischt damit offenbar die alte Zustimmung zur Brandmauer mit der aktuellen Ablehnung der Brandmauer. Korrekt wäre: Die Zustimmung zum Koalitionsausschluss sank von 54 auf 46 Prozent; 41 Prozent lehnten diesen Ausschluss aktuell ab.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeYouGov
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:02:43–00:02:50

Die AfD liegt in Ostdeutschland in einzelnen Umfragen bereits über 40 Prozent.

Richtig
Originalauszug
... im Osten ist die AfD ja auch teilweise schon bei über 40 Prozent.
Einordnung

Die Aussage ist belegt, wenn sie sich auf einzelne ostdeutsche Länderumfragen bezieht. Infratest dimap sah die AfD im Mai 2026 in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent. Das bedeutet nicht, dass die AfD in ganz Ostdeutschland einheitlich über 40 Prozent liegt.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeInfratest dimap
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:10:50–00:11:09

Im Jahr 2025 hatten rund 46,5 bis 46,8 Prozent der Bürgergeld-Regelleistungsberechtigten keine deutsche Staatsangehörigkeit; rund 2,4 Millionen ausländische Empfänger erhielten zusammen 21,7 Milliarden Euro von 46,6 Milliarden Euro Gesamtleistungen.

Überwiegend richtig
Originalauszug
... 2025 hatten 46,5 Prozent aller Bürgergeldempfänger keinen deutschen Pass ... 2,4 Millionen Ausländer Bürgergeld ... 21,7 Milliarden Euro von insgesamt 46,6 Milliarden Euro.
Einordnung

Die Zahlen sind weitgehend durch Daten der Bundesagentur für Arbeit gestützt. Ende 2025 waren rund 2,43 Millionen der SGB-II-Regelleistungsberechtigten ausländische Staatsangehörige, das entsprach knapp 47 Prozent. Berichtet wurden außerdem 21,7 Milliarden Euro Leistungen an ausländische Staatsangehörige bei 46,6 Milliarden Euro Gesamtleistungen. Wichtig ist die Abgrenzung: Staatsangehörigkeit ist nicht gleich Migrationshintergrund, und die Zahlen allein belegen weder Sozialmissbrauch noch gezielte Einwanderung in den Sozialstaat.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeFOCUS online
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeBundesagentur für Arbeit
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:12:20–00:12:30

Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen zehn Jahre ging bei Männern zu rund 75 Prozent und bei Frauen zu rund 50 Prozent auf Migration beziehungsweise ausländische Beschäftigte zurück.

Teilweise richtig
Originalauszug
... der Jobboom der letzten zehn Jahre liegt bei Männern zu 75 Prozent an Migration und bei Frauen zu 50 Prozent.
Einordnung

Die Bundesagentur für Arbeit stützt die Grundrichtung der Aussage, nennt aber andere Werte: Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen zehn Jahre ging bei Männern zu 83 Prozent und bei Frauen zu 56 Prozent auf ausländische Beschäftigte zurück. Die Sendung gibt die Größenordnung also ungefähr wieder, verwendet aber nicht die exakten BA-Zahlen. Außerdem geht es in der BA-Auswertung um Staatsangehörigkeit beziehungsweise ausländische Beschäftigte, nicht um den weiteren Begriff Migrationshintergrund.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeStatistik der Bundesagentur für Arbeit
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:12:41–00:13:05

Rund zwei Drittel der 2015 nach Deutschland geflüchteten Menschen sind inzwischen in Arbeit.

Überwiegend richtig
Originalauszug
... von den syrischen Flüchtlingen, die 2015 gekommen sind, [sind] fast zwei Drittel ... im Arbeitsmarkt angekommen.
Einordnung

IAB-Auswertungen zeigen für 2015 angekommene Geflüchtete eine Beschäftigungsquote von rund 64 Prozent im Jahr 2024; unter Einbezug Selbstständiger wird teils eine Größenordnung um 70 Prozent genannt. Die Aussage ist für die 2015 angekommene Geflüchtetenkohorte weitgehend richtig. Sie sollte aber nicht auf alle syrischen Staatsangehörigen oder alle Geflüchteten in Deutschland übertragen werden, weil spätere Zuwanderung und unterschiedliche Aufenthaltsdauern die Gesamtquoten senken.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeInstitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:18:35–00:19:00

Die Ausgaben für Bürgergeld und verwandte Sozialleistungen liegen seit rund 15 Jahren stabil bei etwa 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Teilweise richtig
Originalauszug
... Bürgergeldzahlungen ... in Prozent des Bruttoinlandsprodukts ... seit 15 Jahren gleich ... 2,7 Prozent.
Einordnung

Das IMK nennt 2,7 Prozent des BIP für Bürgergeld, Eingliederungshilfe und Sozialhilfe zusammen und vergleicht dies mit 2,8 Prozent im Jahr 2010. Als Aussage über reine Bürgergeld-Ausgaben wäre die Zahl falsch beziehungsweise zu hoch; die Bundeszentrale für politische Bildung nennt für Zahlungsansprüche im Bürgergeld/ALG-II-System niedrigere BIP-Anteile. Korrekt ist also nur die breitere Sozialleistungsdefinition.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeInstitut für Makroökonomie und Konjunkturforschung / Hans-Böckler-Stiftung
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeBundeszentrale für politische Bildung
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:23:52–00:24:08

Die Steuer- und Abgabenquote liege bei Durchschnittsverdienern zwischen 25 und 34 Prozent; ein Single zahle 34 Prozent, ein Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern 25 Prozent.

Teilweise richtig
Originalauszug
... die Steuer- und Abgabenquote liegt bei uns zwischen 25 und 34 Prozent beim Durchschnittssteuersatz. Für den Single sind es 34 Prozent ... bei einem Ehepaar mit zwei Kindern ... 25 Prozent.
Einordnung

OECD-Daten zeigen je nach Kennzahl deutlich unterschiedliche Werte. Für Deutschland lag 2024 die persönliche Durchschnittsbelastung aus Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträgen bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener bei 37,5 Prozent; der vollständige Steuerkeil inklusive Arbeitgeberbeiträgen lag bei 47,9 Prozent. Bei einem Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern lagen die entsprechenden Werte bei 19,9 beziehungsweise 33,3 Prozent. Die genannten 34 und 25 Prozent passen daher nicht sauber zu den OECD-Hauptkennzahlen und sind ohne Definition irreführend.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeOECD
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:24:10–00:24:30

Deutschlands Steuerquote liege bei rund 39 Prozent und Deutschland befinde sich damit international im Mittelfeld.

Kontext fehlt
Originalauszug
... bei der Steuer- und Abgabenquote ... ist die Steuerquote ... 39 Prozent ... da sind wir im Mittelfeld.
Einordnung

Die Größenordnung ist plausibel: OECD-Daten für 2024 nennen für Deutschland eine Steuerquote von rund 38,0 Prozent des BIP; der EU-Durchschnitt lag 2024 bei rund 39,4 Prozent. Gegenüber dem OECD-Durchschnitt von 34,1 Prozent liegt Deutschland eher darüber, gegenüber mehreren west- und nordeuropäischen Staaten darunter. „Mittelfeld“ ist daher nur in einem europäischen Hochsteuervergleich vertretbar, nicht als allgemeiner OECD-Vergleich.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeOECD
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeOECD
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeEurostat / European Commission
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:26:42–00:27:08

Seit 2019 habe die deutsche Industrie rund 215.000 Arbeitsplätze verloren, zugleich seien die Industrieumsätze seit 2019 um 20 Prozent gestiegen.

Teilweise richtig
Originalauszug
... seit 2019 215.000 Menschen die Industrie verlassen haben ... die Industrieumsätze sind seit 2019 um 20 Prozent gestiegen.
Einordnung

Der Rückgang der Industriebeschäftigung ist belegt, die exakte Zahl hängt jedoch von Abgrenzung und Zeitraum ab. EY spricht für 2025 von rund 266.200 weniger Industriebeschäftigten seit 2019; Destatis meldete Ende 2024 rund 172.000 weniger Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe als zum Höchststand Ende 2018. Ein Umsatzplus seit 2019 kann nominal plausibel sein, ist aber ohne Preisbereinigung, Energiepreise, Vorleistungskosten und reale Produktionsentwicklung nur eingeschränkt aussagekräftig. Die Aussage sollte daher nicht als Beleg für unveränderte industrielle Stärke gelesen werden.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeEY
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeStatistisches Bundesamt
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeStatistisches Bundesamt
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:29:08–00:29:13

Rund 62 Prozent des Kaufpreises einer Zigarettenpackung fließen an den Staat.

Überwiegend richtig
Originalauszug
... von dem Kaufpreis der Zigarettenpackung gehen 62 Prozent schon an den Staat.
Einordnung

Die Größenordnung ist plausibel. Nach geltendem Tabaksteuergesetz setzt sich die Zigarettensteuer aus einem festen Betrag pro Zigarette und einem prozentualen Anteil am Kleinverkaufspreis zusammen; zusätzlich fällt Mehrwertsteuer an. Bei typischen Packungspreisen ergibt sich daraus ungefähr eine Steuerbelastung um 60 Prozent. Die exakte Quote variiert mit Packungsgröße und Verkaufspreis.

Quellen zu dieser Aussage
  1. Sonstigebuzer.de / Bundesrecht
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeBerliner Morgenpost
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:29:25–00:29:41

Die Bundesregierung plane zwei schnelle Tabaksteuererhöhungen, wodurch die Zigarettenpackung von etwa 8 Euro zunächst auf rund 9,20 Euro und Anfang 2027 auf über 10 Euro steigen könne.

Teilweise richtig
Originalauszug
... am 1. September ... von ungefähr 8 Euro die Packung auf 9,20 Euro ... zum 1. Januar nochmal auf über 10 Euro.
Einordnung

Medien berichteten im Mai 2026 über Pläne des Bundesfinanzministeriums für Tabaksteuererhöhungen in zwei Schritten ab September 2026 und Januar 2027. Die konkreten Preisprognosen variierten jedoch: Berichte nannten etwa 7,76 Euro auf 8,90 Euro und später 9,48 Euro, andere sprachen von etwa 9,60 bis 10,80 Euro nach beiden Schritten. Zudem handelte es sich um ein Vorhaben beziehungsweise einen Entwurf, nicht um eine bereits endgültig umgesetzte Preisänderung.

Quellen zu dieser Aussage
  1. Sonstiget-online
    Abgerufen 13.05.2026
  2. Sonstigeupday
    Abgerufen 13.05.2026
  3. Sonstigebuzer.de / Bundesrecht
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:29:49–00:30:00

In Deutschland sei etwa jede fünfte gerauchte Zigarette nicht in Deutschland versteuert.

Kontext fehlt
Originalauszug
... jeden fünften Tag schon raucht der durchschnittliche Raucher eine Zigarette, die nicht in Deutschland besteuert ist.
Einordnung

Tabakbranchennahe Auswertungen auf Basis von Empty-Pack-Studien nennen für 2025 einen Anteil von rund 20,9 Prozent nicht in Deutschland versteuerter Zigaretten. Diese Größenordnung entspricht „etwa jede fünfte“. Wichtig ist aber: Nicht in Deutschland versteuert heißt nicht automatisch illegal. Enthalten sein können auch legal im Ausland gekaufte und privat mitgebrachte Zigaretten. Die Daten stammen zudem aus einem industrienahen Kontext und sollten entsprechend transparent eingeordnet werden.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeDeutscher Zigarettenverband
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeBundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeStatistisches Bundesamt
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:30:01–00:30:10

In den Niederlanden seien 60 Prozent des Marktes für selbstgedrehten Tabak illegal.

Unbelegt
Originalauszug
... in Holland haben sie 60 Prozent des Marktes von selbstdrehenden Tabak im illegalen Bereich.
Einordnung

Belastbare neutrale Quellen bestätigen, dass die Niederlande Tabaksteuern stark erhöht haben, die Tabaksteuereinnahmen 2025 deutlich fielen und mehr Raucher Tabak im Ausland kaufen. Für die konkrete Behauptung, 60 Prozent des Marktes für Drehtabak seien illegal, wurde jedoch keine ausreichend belastbare neutrale Bestätigung gefunden. Zudem ist zwischen illegalem Handel, legalen Auslandskäufen und nicht im Inland versteuerten Produkten zu unterscheiden.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeStatistics Netherlands
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeEuronews
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeReuters
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:32:11–00:32:16

E-Zigaretten seien rund 90 Prozent weniger schädlich als normale Zigaretten.

Teilweise richtig
Originalauszug
... die E-Zigarette, die ist 90 Prozent weniger schädlich als die normale Zigarette.
Einordnung

Gesundheitsbehörden und Krebsorganisationen bewerten reguläres Dampfen für Raucher als deutlich weniger schädlich als Rauchen, weil keine Tabakverbrennung stattfindet und deutlich weniger Schadstoffe entstehen. E-Zigaretten sind aber nicht risikofrei, langfristige Effekte sind nicht vollständig bekannt, und die pauschale exakte Zahl von 90 Prozent ist als allgemeine Gesundheitsbehauptung zu stark vereinfacht. Besonders für Nichtraucher und Jugendliche wird vom Einstieg abgeraten.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigeUK Office for Health Improvement and Disparities / GOV.UK
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeCancer Research UK
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeOur World in Data
    Abgerufen 13.05.2026
Geprüfte AussageZeitstempel: 00:32:44–00:33:00

Schweden habe wegen Snus und Nikotinbeuteln die niedrigste Lungenkrebsrate, die niedrigste Raucherquote Europas unter 5 Prozent und die niedrigste Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate.

Teilweise richtig
Originalauszug
... Schweden ... die haben die geringste Lungenkrebsrate ... die haben die niedrigste Raucherrate in Europa unter 5 Prozent ... die haben die geringste Herz-Kreislauf-Erkrankungsquote.
Einordnung

Richtig ist: Schweden hat im europäischen Vergleich eine sehr niedrige tägliche Raucherquote und Snus ist dort erlaubt. Die schwedische Gesundheitsbehörde meldete für 2024 jedoch 5,4 Prozent tägliche Raucher in der Bevölkerung von 16 bis 84 Jahren, also nicht unter 5 Prozent in dieser offiziellen Zahl. Die kausale Aussage, dies liege an Snus und Nikotinbeuteln, ist umstritten; schwedische und europäische Quellen verweisen auch auf Tabakprävention und warnen vor steigender Gesamtverbreitung von Tabak- und Nikotinprodukten. Die Superlative zu niedrigster Lungenkrebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate wurden in neutralen Quellen nicht ausreichend eindeutig belegt.

Quellen zu dieser Aussage
  1. SonstigePublic Health Agency of Sweden
    Abgerufen 13.05.2026
  2. SonstigeGlobal State of Tobacco Harm Reduction
    Abgerufen 13.05.2026
  3. SonstigeTobaksfakta / Smoke Free Partnership
    Abgerufen 13.05.2026
  4. SonstigeTobacco Prevention & Cessation
    Abgerufen 13.05.2026
  5. SonstigeEuropean Cancer Inequalities Registry / OECD / European Commission
    Abgerufen 13.05.2026

Transparenzhinweis

Dieser Faktencheck wurde redaktionell mit KI-Unterstützung vorbereitet. Die finale Prüfung, Bewertung und Veröffentlichung erfolgt redaktionell.

Trotz sorgfältiger Bearbeitung können Fehler oder Auslassungen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Maßgeblich bleiben das Originalvideo und die verlinkten Quellen.

Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen und sorgfältiger Quellenprüfung, jedoch ohne Gewähr auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit.

Gesamtfazit

Die überprüfbaren Kernaussagen sind gemischt: Einige Umfrage- und Statistikwerte stimmen, andere sind verkürzt oder missverständlich. Die stärksten Korrekturen betreffen die Brandmauer-Formulierung, die genaue Definition der Bürgergeldquote am BIP, die OECD-Steuerkennzahlen, die reale Aussagekraft nominaler Industrieumsätze sowie mehrere Tabak- und Gesundheitsbehauptungen. Politische Forderungen zur AfD, zum Sozialstaat oder zur Steuerpolitik bleiben Meinungen und sind nicht als Faktenurteil zu bewerten.