Fazit: Das maischberger-Gespräch verbindet reale außenpolitische Entwicklungen mit zugespitzten Bewertungen. Mehrere Tatsachenbehauptungen sind im Kern gut belegt: Donald Trumps Zustimmungswerte lagen in aktuellen Umfragen tatsächlich bei rund 34 Prozent. Die Pipeline Power of Siberia 2 ist als Projekt von Russland über die Mongolei nach China dokumentiert. Auch europäische Zahlungen für US-Waffenlieferungen an die Ukraine sind über den PURL-Mechanismus belegt. Bei anderen Aussagen braucht es deutlich mehr Präzision.
Was wurde geprüft?
Geprüft wurden Aussagen zu NSDAP-Archivzugängen, Trumps Umfragewerten, US-Kraftstoffpreisen, Trumps China-Besuch, Power of Siberia 2, chinesischen Energieimporten aus Iran und Venezuela, europäischen Zahlungen für US-Waffenlieferungen an die Ukraine, Drohnenangriffen in der Moskauer Region und Internetbeschränkungen vor der russischen Siegesparade. Reine Wertungen über Diplomatie, politische Motive, weltpolitische Strategie oder persönliche Eindrücke wurden nicht als wahr oder falsch bewertet.
Trump, Umfragen und Kraftstoffpreise
Die Aussage, Trumps Zustimmungswerte lägen bei etwa 34 Prozent, ist gut belegt. Sowohl Reuters/Ipsos als auch Quinnipiac meldeten im Frühjahr 2026 Werte in dieser Größenordnung. Zu pauschal ist jedoch die Formulierung, ein solcher Wert sei „so niedrig wie nie zuvor“. Reuters ordnete 34 Prozent als Tiefwert der laufenden Amtszeit ein, verwies aber darauf, dass Trump in seiner ersten Amtszeit bereits noch niedrigere Werte erreicht hatte.
Bei den Kraftstoffpreisen ist die Richtung richtig, die genannte Größenordnung aber fraglich. Reuters berichtete über deutliche Preisanstiege bei US-Benzin seit Ende Februar 2026. Die geprüften nationalen Angaben stützen jedoch eher einen Anstieg von mehr als 40 bis rund 45 Prozent, nicht pauschal 60 bis 61 Prozent. Ohne genaue Bezugsgröße, Zeitraum und Kraftstoffart ist diese Aussage daher nur teilweise belastbar.
China, Russland und Energie
Die Aussage zu Power of Siberia 2 ist im Kern richtig. Reuters beschreibt das Projekt als geplante Gasverbindung von Russland über die Mongolei nach China, mit Bezug zur Jamal-Region. Offen blieben jedoch zentrale Details wie Preis, Zeitplan und endgültige Vertragsbindung.
Irreführend ist dagegen die Aussage, China beziehe 20 Prozent seiner gesamten Energie aus Iran und Venezuela. Die verfügbaren Daten passen eher zu Anteilen an Ölimporten, nicht zur gesamten chinesischen Energieversorgung. Laut IEA ist Öl nur ein Teil des chinesischen Energiemixes; Kohle dominiert weiterhin deutlich. Korrekt wäre daher eine Formulierung wie: Iran und Venezuela spielten bei Chinas Ölimporten eine relevante Rolle.
Ukraine, Russland und Sicherheitslage
Die Aussage, Europäer bezahlten für amerikanische Waffen an die Ukraine, ist überwiegend richtig. Reuters berichtete über PURL, einen Mechanismus, bei dem europäische NATO-Staaten US-Waffenlieferungen für die Ukraine finanzieren. Auch Drohnenangriffe in der Moskauer Region sind belegt. Reuters meldete im Mai 2026 mehrere Tote nach ukrainischen Drohnenangriffen, darunter in der Moskauer Region.
Bei Internetbeschränkungen vor der russischen Siegesparade ist der Kern ebenfalls belegt: Reuters berichtete über Einschränkungen des mobilen Internets in Moskau und St. Petersburg aus Sicherheitsgründen. Nicht ausreichend bestätigt ist jedoch die spezielle Behauptung über einen gesperrten Telegramkanal. Diese Aussage bleibt daher nur teilweise richtig.
NSDAP-Archivzugang
Auch die Aussage zu öffentlich zugänglichen NSDAP-Unterlagen hat einen realen Kern. Das US-Nationalarchiv dokumentiert Bestände des Berlin Document Center, darunter NSDAP-Mitgliedschaftsunterlagen und Mikrofilm-Kopien. Auch das Bundesarchiv informiert über Recherchemöglichkeiten zu NSDAP, SS und angeschlossenen Organisationen. Zu weit geht jedoch die Formulierung, dort seien „alle NSDAP-Akten“ öffentlich zugänglich. Die Bestände sind komplex und auf verschiedene Archive, Sammlungen und Zuständigkeiten verteilt.
