Steht die im ZDF gezeigte chinesische Batteriefabrik in Deutschland? Nein. Der vollständige Beitrag von ZDFheute Nachrichten führt ausdrücklich in das Werk des Herstellers REPT BATTERO in Jiashan bei Jiaxing, etwa 100 Kilometer südwestlich von Shanghai. In Deutschland unterhält das Unternehmen eine Niederlassung für sein Europageschäft. Diese beiden Angaben dürfen nicht vermischt werden: Eine deutsche Geschäftsstelle macht aus der gezeigten Produktionsstätte kein deutsches Werk.
Der Film bietet seltene Bilder aus einer hochautomatisierten Zellproduktion. Seine technische Beschreibung stimmt im Grundsatz mit unabhängigen Prozessdarstellungen überein. Bei Marktstellung, Kundenzahlen, Personal und Standortzahl stützt er sich dagegen teilweise auf Aussagen des Unternehmens. Der Faktencheck trennt deshalb sichtbare Abläufe, öffentlich dokumentierte Geschäftsbeziehungen und nicht unabhängig nachprüfbare Eigenangaben.
Was in Jiashan tatsächlich produziert wird
REPT BATTERO stellt Lithium-Ionen-Zellen und Speichersysteme her. Im Video werden Anwendungen in Elektroautos und stationären Stromspeichern genannt. Der Geschäftsbericht des börsennotierten Unternehmens bestätigt beide Geschäftsbereiche. Er führt Produktionsbasen in Wenzhou, Jiashan, Liuzhou, Foshan, Chongqing und Indonesien auf. Für Ende 2025 nennt der Konzern rund 90 Gigawattstunden Produktionskapazität.
Der Bericht dokumentiert zugleich Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Shanghai, Wenzhou und Jiashan. Die Aufnahmen aus einer Fabrikhalle und die Existenz einer Produktionsbasis in Jiashan sind damit belastbar. Aus dem Video allein lässt sich aber nicht bestimmen, welche Linie zu welchem Zeitpunkt welche Zellchemie, Leistung oder Stückzahl produzierte.
Gehört REPT zu den zehn größten Batterieherstellern?
Das Video bezeichnet REPT sinngemäß als einen der zehn größten Batterieproduzenten. Dafür muss der Markt abgegrenzt werden. SNE Research führte REPT im ersten Quartal 2026 im weltweiten Segment stationärer Energiespeicher auf Rang sechs. Bei Speichern für Privathaushalte lag das Unternehmen nach dieser Erhebung sogar an erster Stelle. Das belegt eine bedeutende Position in konkreten Speichersegmenten und Zeiträumen.
Es belegt nicht automatisch einen universellen Top-Ten-Rang über sämtliche Traktionsbatterien, Speicher, Jahre und Messmethoden hinweg. Je nach Statistik werden Auslieferung, installierte Kapazität, Umsatz oder Produktionskapazität verglichen. Das Urteil lautet daher: Für bestimmte Energiespeichersegmente ist eine Top-Ten-Platzierung belegt; als allgemeine Weltrangliste ist die Aussage zu pauschal.
Nissan, Smart, Volvo und Inter: Beziehungen sind dokumentiert
Der Film nennt Nissan, Smart und Volvo als Abnehmer beziehungsweise Partner. Der Geschäftsbericht führt diese Marken ebenfalls im Kunden- und Kooperationskontext auf. Damit ist die Verbindung öffentlich dokumentiert. Aus einer Nennung folgt jedoch nicht, dass jedes Modell dieser Marken Zellen von REPT nutzt oder dass REPT jeweils alleiniger Lieferant ist.
Auch die Partnerschaft mit Inter Mailand ist real. Der Fußballverein bezeichnet REPT in seiner offiziellen Mitteilung als Batterie- und Energiespeicherpartner. Das ist vor allem eine Marketingkooperation. Sie belegt internationale Markenstrategie, sagt aber nichts über Zellqualität, Marktanteile oder Liefermengen aus.
200.000 Batterien für deutsche Marken bleiben eine Firmenangabe
Ein Unternehmensvertreter sagt im Beitrag, REPT liefere Batterien für rund 200.000 Fahrzeuge deutscher Marken. Eine genaue Periode, Definition und Aufschlüsselung nach Fahrzeugherstellern werden nicht genannt. In den geprüften öffentlichen Unterlagen ließ sich diese Zahl nicht unabhängig reproduzieren.
Sie kann plausibel sein, darf aber nur als zugeschriebene Unternehmensangabe erscheinen. Hinzu kommt: „Batterien für 200.000 Fahrzeuge“ kann je nach Kontext ausgelieferte Zellen, zugesagte Kapazität oder rechnerische Fahrzeugäquivalente meinen. Ohne Methodik wäre eine scheinbar präzise Bestätigung redaktionell nicht sauber.
Warum Staub und Feuchtigkeit kritisch sind
Zu Beginn gehen Besucher durch eine Luftdusche und tragen Schutzkleidung. Der Beitrag erklärt, kleine Verunreinigungen könnten Batteriezellen beeinträchtigen. Das ist technisch gut begründet. Eine Prozessübersicht der Fraunhofer FFB beschreibt kontrollierte Trockenräume, die Herstellung und Beschichtung von Elektroden, Trocknung, Kalandrierung, Zuschnitt, Stapeln oder Wickeln und die anschließende Zellmontage. Partikel und Restfeuchte können Fehler, Nebenreaktionen und Sicherheitsrisiken begünstigen.
Auch die im Film gezeigte Abfolge ist grundsätzlich stimmig: Aktivmaterialien werden zu einer Paste verarbeitet, auf Kupfer- oder Aluminiumfolien beschichtet, getrocknet, verdichtet und mit Separatoren zu Zellstapeln oder Wickeln zusammengefügt. Danach folgen Gehäuse, Trocknung, Elektrolytfüllung, Formierung und Qualitätskontrollen. Die Bilder erklären den industriellen Ablauf anschaulich, ersetzen aber keine unabhängige Auditierung der konkreten Fabrik.
„Menschen erkennen Fehler besser als Maschinen“ ist keine allgemeine Regel
Im Bericht kontrollieren Beschäftigte Produkte, und es fällt die Aussage, Menschen seien dabei besser als Maschinen. Das kann für einzelne Sichtprüfungen oder Grenzfälle zutreffen. Moderne Batteriefabriken kombinieren jedoch Kameras, Sensorik, elektrische Messungen, automatische Ausschleusung und manuelle Nachkontrolle. Welche Methode eine konkrete Fehlerart zuverlässiger erkennt, hängt von Prüfziel, Datenqualität und Anlagenzustand ab.
Aus einer beobachteten Station lässt sich deshalb keine allgemeine Überlegenheit menschlicher Kontrolle ableiten. Belastbar ist lediglich: Trotz hoher Automatisierung bleiben Menschen in Überwachung, Wartung, Stichprobe, Freigabe und Fehleranalyse beteiligt.
15.000 Beschäftigte, fünf Standorte und Zwölfstundenschichten
Der Beitrag nennt rund 15.000 Beschäftigte an fünf Standorten sowie einen Betrieb rund um die Uhr in zwei Zwölfstundenschichten. Diese Angaben stammen erkennbar aus dem Unternehmensumfeld beziehungsweise der Beobachtung vor Ort. Der geprüfte Geschäftsbericht listet allerdings sechs Produktionsbasen, wenn der indonesische Standort mitgezählt wird. Die Differenz kann an Stichtag, Definition oder dem Produktionsstatus einzelner Werke liegen.
Auch das im Film beschriebene Durchschnittsalter von etwa 20 bis 30 Jahren und das Wohnen mancher Beschäftigter auf dem Gelände wurden nicht durch unabhängige Personalstatistiken belegt. Der Beitrag macht Arbeitsbedingungen sichtbar, liefert aber keine repräsentative Beschäftigtenstudie. Solche Details sind daher als Firmen- oder Reportageangaben zu kennzeichnen.
Chinas Dominanz in der Batterielieferkette ist gut belegt
Die größere Einordnung des Films trifft zu. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass China mehr als 80 Prozent der weltweiten Batteriezell-Produktionskapazität hält. Chinesische Hersteller kamen 2025 demnach auf etwa drei Viertel der weltweit eingesetzten Elektroauto-Batterien und auf mehr als die Hälfte des europäischen Marktes.
REPT beschreibt außerdem eine vertikal integrierte Lieferkette bis zu Rohstoffen und Vorprodukten in Indonesien. Konzernunterlagen stützen die indonesische Präsenz. Wie groß die tatsächliche Kontrolle jeder einzelnen Stufe ist, kann aus Eigenangaben allein aber nicht vollständig geprüft werden. Chinas strukturelle Stärke ist belegt; daraus folgt weder, dass jede chinesische Zelle gleich ist, noch dass Europa keine eigene Produktion besitzt.
„Europa hat die stärkste Autoindustrie“ ist eine Wertung
Ein Manager begründet die Europaexpansion mit der angeblich stärksten Autoindustrie der Welt. Europa verfügt zweifellos über große Hersteller, Forschung, Zulieferer und einen bedeutenden Absatzmarkt. „Stärkste“ besitzt ohne Messgröße aber keinen überprüfbaren eindeutigen Inhalt. Umsatz, Stückzahl, Export, Technologie, Profitabilität und Marktwert könnten zu verschiedenen Ergebnissen führen.
Diese Passage ist als strategische Unternehmensbewertung zu behandeln, nicht als festgestellte Tatsache. Belastbar ist: Europa ist für REPT ein wichtiger Zielmarkt, und chinesische Zellhersteller haben dort bereits einen erheblichen Anteil.
Fazit
Der ZDF-Beitrag zeigt authentisch eine hochautomatisierte REPT-Fabrik in Jiashan, China, und beschreibt den grundlegenden Zellfertigungsprozess weitgehend korrekt. Geschäftsberichte bestätigen die Produktionsbasis, Anwendungen und Beziehungen zu Nissan, Smart und Volvo; auch die Inter-Partnerschaft ist dokumentiert. Eine Top-Ten-Position lässt sich für bestimmte Speichermärkte belegen, nicht pauschal für jede Batteriekategorie. Die Zahl von 200.000 Fahrzeugbatterien für deutsche Marken sowie Angaben zu Personal, Schichten und fünf Standorten bleiben ohne unabhängige Detailbelege. Vor allem gilt: Gezeigt wird keine Batteriefabrik in Deutschland, sondern ein chinesisches Werk mit europäischer Vertriebs- und Expansionsstrategie.
