Die Linke liegt bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent vorn. Eine eigene Mehrheit hat sie damit nicht. Nach der amtlichen Sitzverteilung sind 158 Mandate vergeben; für eine absolute Mehrheit werden 80 benötigt. Welche Parteien diese Schwelle zusammen erreichen, lässt sich nachrechnen. Ob sie zusammen regieren wollen, ist eine andere Frage.
Datenstand: vorläufiges amtliches Ergebnis vom 21. September 2026, 03:33:56 Uhr (MESZ). Quellen geprüft am 21. September 2026. Der Landeswahlleiter hat das vorläufige Zweitstimmenergebnis um 02:14 Uhr bekannt gegeben. Die später aktualisierte Ergebnispräsentation bildet die Grundlage dieses Artikels. Die Bezeichnung „endgültiges amtliches Ergebnis“ wäre zum dokumentierten Stand falsch.
Die Stimmen und Sitze im Überblick
Die amtliche Ergebnispräsentation enthält sowohl die Stimmenzahlen als auch die Sitzverteilung. Für die hier gezeigte Verteilung ist die Zweitstimme maßgeblich. Nicht mit den Ergebnissen der zwölf gleichzeitig gewählten Bezirksverordnetenversammlungen verwechseln: Der Rechner bezieht sich ausschließlich auf das Abgeordnetenhaus.
| Partei | Zweitstimmen | Anteil | Sitze |
|---|---|---|---|
| Die Linke | 468.060 | 25,7 % | 47 |
| CDU | 342.516 | 18,8 % | 34 |
| AfD | 296.601 | 16,3 % | 29 |
| GRÜNE | 260.700 | 14,3 % | 26 |
| SPD | 220.939 | 12,1 % | 22 |
| BSW | 86.041 | 4,7 % | 0 |
| FDP | 46.341 | 2,5 % | 0 |
Gezeigt sind die sieben Parteien mit den höchsten Zweitstimmenanteilen. Weitere Parteien erhielten zusammen 103.316 Zweitstimmen und keine Sitze. Insgesamt wurden 1.824.514 gültige Zweitstimmen gezählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent. Die amtlichen Prozentangaben sind auf eine Nachkommastelle gerundet; die zugrunde liegenden Stimmenzahlen stehen auch in der amtlichen Ergebnisübersicht als PDF.
Welche Kombinationen erreichen 80 Sitze?
Die folgenden Summen sind Evidicos eigene Addition der amtlich ausgewiesenen Mandate. Es werden jeweils alle Sitze der gewählten Parteien zusammengezählt. Eine politische Empfehlung ist damit nicht verbunden.
| Kombination | Sitze | Absolute Mehrheit? |
|---|---|---|
| Linke + Grüne + SPD | 95 | Ja, 15 über der Schwelle |
| CDU + SPD + Grüne | 82 | Ja, 2 über der Schwelle |
| Linke + CDU | 81 | Ja, 1 über der Schwelle |
| Linke + Grüne | 73 | Nein, 7 fehlen |
| Linke + SPD | 69 | Nein, 11 fehlen |
| CDU + SPD | 56 | Nein, 24 fehlen |
| CDU + AfD | 63 | Nein, 17 fehlen |
Unter den Zweierkombinationen überschreiten ausschließlich Linke und CDU gemeinsam die Schwelle: 47 plus 34 ergibt 81. Die nächstgrößere Zweierkombination, Linke und AfD, kommt auf 76. Jede andere ist kleiner. Damit ist die Aussage „Die stärkste Partei braucht nur irgendeinen Partner“ rechnerisch falsch.
Ohne Linke und ohne AfD bleiben CDU, Grüne und SPD mit zusammen 82 Sitzen. Sobald eine dieser drei Parteien herausgenommen wird, reicht die Summe nicht mehr. Umgekehrt zeigt das Beispiel Linke, Grüne und SPD mit 95 Sitzen, dass eine rechnerische Mehrheit auch ohne CDU möglich ist. Beide Feststellungen beschreiben Mandatszahlen, keine bereits abgeschlossene Regierungsbildung.
Mehrheiten selbst ausprobieren
Sitzübersicht: 158 Mandate, absolute Mehrheit ab 80
- Die Linke: 47
- SPD: 22
- GRÜNE: 26
- CDU: 34
- AfD: 29
Vorläufiges amtliches Ergebnis. Ergebnisstand: 21.09.2026, 03:33:56 Uhr MESZ. Amtliche Sitzverteilung.
Die Parteiauswahl verändert ausschließlich die zusammengezählten Mandate. Sie verändert weder das Wahlergebnis noch die Gesamtzahl von 158 Sitzen. Wer eine Partei abwählt, entfernt sie aus der gewählten Kombination, nicht aus dem Parlament. Farben helfen bei der Zuordnung; sie bewerten keine Partei und keine Kombination.
„Mehrheit“ bedeutet hier mindestens 80 von 158 Sitzen. 79 sind genau die Hälfte und reichen dafür nicht. Ein angezeigter Überschuss von zwei bedeutet zwei Sitze oberhalb dieser Schwelle; er sagt nichts darüber, wie geschlossen Abgeordnete später abstimmen. Der Rechner erlaubt auch politisch fernliegende Kombinationen, damit seine Rechenregeln für alle Parteien gleich bleiben.
Warum Stimmenanteile nicht einfach Sitzanteile sind
Berlin hat laut Artikel 38 der Landesverfassung mindestens 130 Abgeordnete. Überhang- und Ausgleichsmandate können die Größe erhöhen. Das Landeswahlamt erläutert das Sitzzuteilungsverfahren: Die Verteilung erfolgt nach Hare/Niemeyer; anschließend sind unter anderem Direktmandate und die Verteilung auf Landes- beziehungsweise Bezirkslisten zu berücksichtigen. Daher verwendet Evidico die veröffentlichte amtliche Sitzverteilung, statt gerundete Prozentwerte selbst in Mandate umzuwandeln.
Eine weitere Ursache für unterschiedliche Stimmen- und Sitzanteile ist die Sperrklausel. Artikel 39 Absatz 2 sieht grundsätzlich eine Fünfprozentgrenze vor, mit einer Ausnahme bei einem gewonnenen Wahlkreissitz. Für das BSW mit 4,7 Prozent und die FDP mit 2,5 Prozent weist das aktuelle amtliche Ergebnis jeweils null Mandate aus. Der Rechner simuliert keinen nachträglichen Einzug dieser Parteien.
Die stärkste Partei bestimmt nicht automatisch den Regierungschef
Nach Artikel 56 der Berliner Verfassung wählt das Abgeordnetenhaus den Regierenden Bürgermeister zunächst mit der Mehrheit seiner Mitglieder. Scheitert die Wahl, folgt ein zweiter Wahlgang. Kommt auch dort keine Wahl zustande, genügt im weiteren Wahlgang die höchste Stimmenzahl. Ein pauschales „Ohne 80 Sitze kann niemand gewählt werden“ wäre deshalb ebenfalls falsch.
Parteisitze sind zudem keine persönlich garantierten Stimmen. Abgeordnete sind nach Artikel 38 nur ihrem Gewissen verpflichtet. Die allgemeine Regel für parlamentarische Beschlüsse steht in Artikel 43; nicht jede Abstimmung verlangt eine absolute Mehrheit aller Mandate. Unser Rechner beantwortet bewusst die engere Frage nach einer solchen Sitzmehrheit. Er ersetzt weder die Verfassung noch die tatsächliche Wahl im Parlament.
Was vorläufig bedeutet – und was offen bleibt
Am Wahlabend hat die amtliche Darstellung die bereits gemeldeten Stimmen addiert. Sie hat fehlende Wahlbezirke nicht hochgerechnet, wie die Landeswahlleitung vorab erläuterte. Deshalb dürfen eine TV-Hochrechnung, ein amtlicher Zwischenstand und das später bekannt gegebene vorläufige Ergebnis nicht ohne Datum und Uhrzeit vermischt werden.
Hier geht es um das veröffentlichte vorläufige Landesergebnis. Eine endgültige amtliche Feststellung ist davon zu unterscheiden. Ebenso getrennt bleibt die politische Frage, welche Parteien Gespräche führen, welche Vereinbarungen entstehen und wer schließlich gewählt wird. Dafür liefert eine Sitzsumme allein keinen Beleg.
Fazit
Der Rechner macht eine überprüfbare Frage zugänglich: Welche ausgewählten Parteien erreichen zusammen mindestens 80 Mandate? Er zeigt mehrere rechnerische Wege und ebenso klar deren Grenzen. Der Wahlsieg der Linken ist keine eigene Mehrheit, eine rechnerische Mehrheit keine fertige Koalition und das vorläufige Ergebnis noch kein endgültiges amtliches Ergebnis.
Quellen und Methode
Evidico hat die amtliche Stimmen- und Sitzdarstellung sowie die folgenden Originaldokumente geprüft. Die Mehrheiten sind eigene Additionen der veröffentlichten Parteimandate. Dieser Beitrag prüft keine einzelne Rede oder Fernsehsendung. Die Farben und die Sitzmengen sind aus der amtlichen Darstellung übernommen; die Anordnung im Rechner ist keine politische Wertung.
- Landeswahlleiter / Amt für Statistik: Ergebnisse und Sitzverteilung, Stand 21. September 2026, 03:33:56 Uhr
- Landeswahlleiter: Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses, 21. September 2026
- Amtliche Zweitstimmenübersicht, 21. September 2026
- Landeswahlamt: Sitzzuteilungsverfahren, Stand 7. Januar 2026, Abschnitt Abgeordnetenhaus
- Verfassung von Berlin, Artikel 38, 39 und 43
- Verfassung von Berlin, Artikel 56
- Landeswahlleiter: Veröffentlichung und Berechnung der Ergebnisse, 14. September 2026
