Die Fritzbox kann Werbung zentral per DNS-Filter reduzieren. Die Wirkung hängt von Software, Filterliste und Endgerät ab; fünf Minuten Einrichtung und 95 Prozent sind keine Garantie.
c’t 3003 zeigt den neuen DNS-Filter und zwei zusätzliche Routerfunktionen. Wir prüfen das vollständige 13-minütige Original anhand der Hersteller- und Projektdokumentation. Die klar gekennzeichnete NordVPN-Werbung ist nicht Gegenstand dieses technischen Checks. Die im Video genannten Selbstversuche unterscheiden wir von unabhängig bestätigten Eigenschaften.
Ein DNS-Filter in der Fritzbox ist eine reale neue Funktion
Der technische Kern des c’t-3003-Videos ist bestätigt: Der Hersteller beschreibt einen DNS-Filter direkt in der Fritzbox. DNS ist das System, mit dem ein Gerät zu einem Domainnamen die benötigten Verbindungsinformationen abfragt. Der Filter kann Anfragen nach gelisteten unerwünschten Domains abweisen. Werbe- oder Trackinginhalte von diesen Adressen werden dadurch nicht wie sonst geladen.
Für diese Funktion muss kein eigener Raspberry Pi oder Heimserver zusätzlich betrieben werden. Das unterscheidet die Einrichtung von einem selbst gehosteten Pi-hole oder AdGuard Home, bedeutet aber nicht, dass deren gesamte Funktionsvielfalt übernommen wurde. Der Hersteller hat den DNS-Filter im August als Neuerung der kommenden Softwaregeneration angekündigt. Der Spitzname „Fritzhole“ bezeichnet im Video diesen Filter, keine zusätzliche offizielle Hardware.
Die Laborversion ist kein pauschales Updateversprechen für jede Fritzbox
Beim Abruf am 15. September 2026 listete die offizielle Laborseite passende Testversionen für mehrere Modelle, darunter die im Video verwendete 6660 Cable mit Version 8.40-136360 vom 10. September. Das ist eine überprüfbare Momentaufnahme. Aus dem Video folgt kein Anspruch darauf, dass jede ältere, gemietete oder vom Anbieter verwaltete Fritzbox dieselbe Funktion sofort erhält.
Die Formulierung, die Beta lasse sich nicht direkt in der Oberfläche installieren, braucht Präzision. Der Beitrag führt selbst die manuelle Installation einer zuvor heruntergeladenen Datei innerhalb der Routeroberfläche vor. Gemeint ist offenbar der Unterschied zum gewöhnlichen angebotenen Onlineupdate. Vor einem Versuch zählen deshalb das genaue Modell, die aktuellen Herstellerhinweise und eine Sicherung der Konfiguration. Eine Laborsoftware dient der Erprobung; aus der einfachen Bedienfolge lässt sich keine Fehlerfreiheit ableiten.
Vier Minuten und 37 Sekunden sind ein Erfahrungswert
Der Titel verspricht eine schnelle Einrichtung, und der Autor nennt eine selbst gestoppte Zeit von vier Minuten und 37 Sekunden. Wir haben diesen Versuch nicht auf einem eigenen Router wiederholt. Schon die Suche nach dem passenden Update, die Übertragungsgeschwindigkeit und ein notwendiger Neustart können die Dauer verändern. Wer erst den Routerzugang klären oder eine Sicherung erstellen muss, hat eine andere Ausgangslage als der Vorführende.
Die modellbezogene Laborübersicht ist daher die sinnvollere Entscheidungsgrundlage als die Stoppuhr. Die Aussage trägt als Beispiel dafür, dass keine aufwendige Serverinstallation erforderlich ist. Als allgemeines Zeitversprechen ist sie zu stark. Das gilt besonders dann, wenn nach der Aktivierung noch geprüft werden muss, ob gewohnte Webseiten und Apps korrekt funktionieren.
Auch Fernseher können profitieren – aber nicht jede Werbung verschwindet
Der Vorteil gegenüber einer reinen Browsererweiterung ist real: Auch Geräte ohne installierbaren Browserblocker können von einer zentralen DNS-Sperre profitieren. Der Hersteller nennt dafür die Voraussetzung, dass die Geräte ihre entsprechenden IP-Einstellungen von der Fritzbox übernehmen. Wer einen anderen DNS-Dienst verwendet oder über eine anders konfigurierte Verbindung surft, kann außerhalb dieses Filterwegs liegen. „Im Heimnetz“ ist deshalb kein gleichbedeutender Ausdruck für „jede Anfrage wird garantiert gefiltert“.
Eine zweite Grenze ergibt sich aus dem Prinzip. Die Entwickler von AdGuard Home erklären, dass DNS-Sperren Werbung aus derselben Domain wie erwünschte Inhalte nicht zuverlässig getrennt entfernen können. Auch eine direkt in einen Film hineingeschnittene Werbepassage ist kein eigener DNS-Aufruf. Der Fritzbox-Filter kann viel reduzieren, ersetzt aber weder jede Browserfunktion noch einen vollständigen Schutz gegen alle schädlichen Inhalte. Bereits unbekannte oder nicht gelistete Domains bleiben eine weitere Grenze.
95 Prozent und schnellerer Seitenaufbau sind keine universellen Messwerte
Der Beitrag nennt mehrere verschiedene Messgrößen: die Blockierquote einer Testseite, die Zahl der Browseranfragen, die übertragene Datenmenge und die beobachtete Ladezeit. Diese Größen sind nicht austauschbar. Eine Testseite mit einer bestimmten Auswahl von Domains kann 95 Prozent melden, ohne damit 95 Prozent sämtlicher Werbung im Internet abzudecken. Der Autor äußert selbst Zweifel an der Aussagekraft solcher Testseiten.
Die berichteten Rückgänge von 833 auf 166 Anfragen und von 8.379 auf 2.159 Kilobyte sind mit dem DNS-Filterprinzip plausibel vereinbar: Unterbundene Inhalte müssen nicht übertragen werden. Evidico hat die damalige Sitzung jedoch nicht unabhängig reproduziert. Aus ungefähr sechs Sekunden gegenüber 300 Millisekunden darf deshalb keine allgemeine Beschleunigung jeder Webseite um den gleichen Faktor werden. Werbung wechselt, Inhalte ändern sich, und ein bereits gefüllter Cache beeinflusst Vergleiche. Der praktische Nutzen kann deutlich sein, ohne dass jeder Haushalt dieselben Zahlen erreicht.
Filterlisten brauchen das richtige Format und sinnvolle Ausnahmen
Hier enthält das Video einen wichtigen Hinweis: Eine Liste ist nicht einfach irgendein Text mit vielen Internetadressen. Das HaGeZi-Projekt ordnet die Formate ihren unterstützten Programmen zu und nennt „Wildcard Domains“ für Fritzboxen ab der entsprechenden Softwaregeneration. Eine Variante für einen anderen Filter muss nicht unverändert funktionieren. Die verschiedenen Ausgaben eines Projekts können denselben Zweck verfolgen und trotzdem technisch anders aufgebaut sein.
Mehr blockierte Domains bedeutet außerdem nicht automatisch die bessere Alltagserfahrung. Wenn eine Anmeldung, Weiterleitung oder App-Funktion von einer gesperrten Adresse abhängt, kann sie mit ausfallen. Ausnahmen geben gezielt benötigte Adressen wieder frei. Sie sollten zur tatsächlich betroffenen Domain passen; eine großzügige Freigabe kann den erwünschten Schutz wieder abschwächen. Dass der Beitrag diesen Nachteil anspricht, ist für seine Bewertung wichtiger als ein möglichst hoher Testseiten-Prozentwert.
Ein Abfrageprotokoll erleichtert die Fehlersuche
Wenn eine Seite nicht lädt, ist ohne Protokoll schwer zu erkennen, welcher der vielen beteiligten Domainaufrufe den Fehler verursacht. Für Pi-hole sind Abfrageprotokolle und einstellbare Privatsphärenstufen ausdrücklich dokumentiert. AdGuard Home bietet ebenfalls eine entsprechende Oberfläche. Solche Informationen können helfen, eine gezielte Ausnahme zu finden, statt mehrere Sperren auf Verdacht abzuschalten.
Der Autor vermisst diese Komfortfunktion in seiner getesteten Fritzbox. Das ist als nachvollziehbarer Vergleich des im Beitrag verwendeten Stands einzuordnen; wir haben seine Routeroberfläche nicht selbst untersucht. Daraus sollte kein zeitloses Urteil werden, dass die Fritzbox grundsätzlich nie Diagnosemöglichkeiten erhalten könne. Auch ein Protokoll beantwortet nicht jede Frage automatisch, und seine Detailtiefe kann bei anderen Werkzeugen aus Datenschutzgründen reduziert sein. Der konkrete Vorteil bleibt: nachvollziehbare Anfragen erleichtern die Fehlersuche.
90 Prozent Upload gelten nur unter bestimmten Bedingungen
Die Herstellerdokumentation zur Priorisierung bestätigt die drei Kategorien Echtzeit, priorisiert und Hintergrund. Für priorisierte Anwendungen stehen bis zu 90 Prozent der Uploadrate zur Verfügung, solange vorrangige Echtzeitanwendungen die Leitung nicht auslasten. Mehrere priorisierte Anwendungen teilen sich die Kapazität. Die Aussage, der Spiele-PC bekomme seinen Anteil unabhängig von beliebig vielen Meetings, lässt diese Bedingungen zu stark in den Hintergrund treten.
Priorisierung schafft auch keine zusätzliche Bandbreite. Sie entscheidet bei Konkurrenz darüber, was zuerst gesendet wird. Das kann Verzögerungen durch einen ausgelasteten Upload reduzieren. Schwaches WLAN, ein entfernter Spieleserver oder andere Ursachen verschwinden dadurch nicht automatisch. Welche Tätigkeit im Haushalt Vorrang bekommen soll, ist zudem eine Nutzerentscheidung; die scherzhafte Abwertung eines Bewerbungsgesprächs im Video ist keine technische Empfehlung.
FritzNAS ist nützlich, Speicher und Tempo bleiben modellabhängig
Die Herstelleranleitung zum NAS-Zugriff bestätigt, dass ein angeschlossener USB-Speicher im Heimnetz bereitgestellt werden kann. Dabei sind Benutzerrechte und die gewünschte Freigabe relevant. NAS-Zugriff über das Netzwerk ist außerdem nicht dasselbe wie der USB-Fernanschluss, der ein Gerät einem einzelnen Rechner zuordnet. Die modellbezogene USB-Dokumentation beschreibt den USB-2.0-Anschluss.
Die im Video genannte interne Kapazität von 3,4 Gigabyte behandeln wir als Angabe zum verwendeten Gerät, nicht als zugesicherten freien Speicher jeder Fritzbox. Auch „sehr langsam“ ist ohne Datendurchsatz, Dateigröße und Vergleichsgerät kein universeller Benchmark. Für den Austausch kleiner Dateien kann eine solche Freigabe ausreichen. Ob sie für große Datenbestände sinnvoll ist, hängt von Modell, Medium und Verbindung ab. Eine einzelne gespeicherte Kopie wird durch die Bezeichnung NAS zudem noch nicht zur zusätzlichen Datensicherung.
Fazit
Der DNS-Filter ist eine praktische Erweiterung für passende Fritzboxen. Seine Grenzen sind dieselben, die das Filtern ganzer Domains grundsätzlich mit sich bringt. Laborstatus, passende Listen und Fehlerdiagnose zählen mehr als ein pauschales Versprechen völliger Werbefreiheit. Priorisierung und NAS sind ebenfalls reale Funktionen, aber kein Ersatz für unbegrenzte Bandbreite oder beliebig schnellen Speicher. Quellenstand: 15. September 2026.
